1817

Erstes Gefängnis «Zuchtanstalt»

Noch um 1800 existierte in Graubünden kein kantonales Gefängnis, obwohl durchaus Bedarf bestand. Die Bevölkerung reagierte schon damals nicht mit Begeisterung, wenn ein solches in der Nachbarschaft entstehen sollte. Der Kanton exportierte seine Häftlinge damals in auswärtige Anstalten, u.a. ins schwäbische Oberdischingen bei Ulm. Doch diese «Exporte» waren sehr kost­spielig. Daher suchte man nach einer näher gelegenen und günstigeren Lösung.

Im Jahr 1817 kaufte der Kanton das Sennhof-Areal in Chur für 11'500 Gulden und errichtete dort erstmals ein «Zucht­haus». Informationen zum Betrieb einer solchen Anstalt – inkl. Tipps zur Sicherheit, Verpflegung und Hygiene – holte man sich im Kanton Zürich. Als Klientel stellte sich die Bündner Regierung «Zücht­linge» vor, die mehrjährige Strafen abzusitzen hatten. Aller­dings befanden sich im Sennhof bald auch männliche und weibliche Insassen mit leichteren Vergehen. Bis 1865 mussten die Häftlinge noch Ketten tragen.

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Ausschnitt aus einem Stadtplan von Peter Hemmi aus dem Jahr 1823
Ausschnitt aus einem Stadtplan von Peter Hemmi aus dem Jahr 1823
Der Kaufvertrag von 1817 (Quelle: Staatsarchiv Graubünden, Vr C I Nr. 29)
Der Kaufvertrag von 1817 (Quelle: Staatsarchiv Graubünden, Vr C I Nr. 29)